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Wie Heizkosten senken?

In den letzten Jahren sind die Preise für die wichtigsten Energieträger meist deutlich über der Inflationsrate bzw. den
durchschnittlichen Lohnerhöhungen angestiegen.

So hat sich seit 2000 bis Jänner 2012 Heizöl um 115% verteuert, der Preis für Erdgas ist in diesem Zeitraum um 72% gestiegen und Strom wurde um 28% teurer.
Auch wenn Ende 2014 der Ölpreis drastisch gefallen ist, so ist längerfristig mit einem weiteren Anstieg der Preise für Energieträger zu rechnen. Infos zur historischen Entwicklung finden Sie >hier<

Wohnungsmieter, aber auch Hauseigentümer und Wohnungsbesitzer sind durch diese Entwicklung stark in Bedrängnis
gekommen. Die Angst vor der nächsten Öltankfüllung bzw. Energiekostenabrechnung wurde zu einem landläufigen Phänomen. Letzlich haben die Kosten für's Wohnen weit stärker als die allgemeine Inflationsrate angibt zugenommen.

Viele Eigentümer denken nun über Maßnahmen zur Senkung ihrer Energiekosten, insbesonders der für's Heizen, nach.

Im Wesentlichen existieren dafür drei Stoßrichtung:

1. Automatisierung/Einstellungsoptimierung

Häufig lässt sich mit relativ geringen Mitteleinsatz beim bestehenden Heizsystem durch Automatisierung und Optimierung der
Einstellungen eine gewisse Energieeinsparung erzielen, wobei man natürlich hierbei bald an physikalische (Effizienz-)Grenzen
stößt.
Das ausschöpfbare Einsparungspotential ist dabei tendenziell umso größer, je älter die vorhandene Anlage ist bzw. je länger die
letzte Optimierung zurückliegt und je mehr der Benutzer bereit ist auf liebgewonnene aber energieverschwendende Gewohnheiten
zu verzichten.
Um eine Vorstellung von den möglichen Maßnahmen zu vermitteln sollen im folgenden einige exemplarisch genannt werden:

* Zusätzliche Außenisolierung des Heizkessels
* Isolierung der Verrohrung
* Optimierung des Brenners z.B. durch
+ Verwendung einer kleineren Brennnerdüse
+ Weniger Brennerstarts durch Erhöhen der Schalthysterese
+ Optimierung der Verbrennung - Brennraumverkleinerung oder
* Ersatz des Brenners durch moderneren (modulierenden) Brenner
* Ersatz der Umwälzpumpe durch stromsparende Hocheffizienzpumpe
* Bedarfsgerechte Einzelraumregelung durch elektronische Thermostate
* Reduzierung der Raumtemperatur bei Anwesenheit und insbesonders bei Abwesenheit
* Verzicht auf die Temperaturregelung mittels gekippten Fenster
* Anpassung der Lüftungsgewohnheiten in der Heizperiode, etc.

2. Reduktion des Energieverbrauchs des Gebäudes durch Isolationsmaßnahmen

Häufig wird durch die thermische Sanierung der Gebäudehülle ein deutlicher Energieeinsparungseffekt angestrebt. Die Kosten dafür sind jedoch trotz fallweiser Förderungen erheblich. Bei genauer Durchrechnung zeigt sich, dass vielfach eine Amortisation meist nur bei Annahme eines starken Preisanstiegs bei dem bisher verwendeten Energieträger gegeben ist.
Zudem ist zu beachten, dass bei einer deutlichen Reduktion der Heizlast des Gebäudes die bestehende Heizung hinsichtlich der nun vorliegenden geänderten Verhältnisse erheblich überdimensioniert ist. Um den vollen Einspareffekt ausschöpfen zu können ist daher auch meist gleichzeitig die Heizanlage zu erneuern bzw. so weit als möglich anzupassen.
Maßnahmen zur thermischen Sanierung eines Gebäudes:

* Dämmung der obersten Geschoßdecke oder
* Dämmung des Daches
* Kellerdeckendämmung
* Scheibentausch oder
* Fenstertausch
* Fassadenisolation, Wärmedämmverbundsystem, Vollwärmeschutz (50 - 100 €/m2, je nach Ausführung)
* Beseitigung von Kältebrücken, etc.

Die oben angegebene Reihenfolge entspricht üblicherweise der Priorität der zu setzenden Maßnahmen.
Achtung beim Fenstertausch: Hierbei ist zu beachten, dass nach einem Fenstertausch dem Lüftverhalten während der Heizperiode mehr Aufmerksamkeit zu schenken ist, um Schimmelbildung an den unsanierten, kühleren Außenwänden zu vermeiden. Nicht selten sind jedoch die Isolationseigenschaften der bestehenden Außenwände nicht ausreichend und der Fenstertausch zieht somit gleichzeitig die thermische Sanierung der Außenwände und die Beseitigung eventueller Kältebrücken nach sich.

3. Energiebereitstellung - (Teil-)Umstieg auf einen kostengünstigeren Energieträger

Derzeit (Quelle: Konsument 11/2014) sieht bekanntlich die Reihung von kostengünstigen zu teureren Energieträgern, bezogen auf eine kWh Nutzenergie, folgendermaßen aus:

* Sonnenenergie       ?  Cts/kWh (bei thermischen Anlagen ist nur Hilfsenergie nötig)
* Hackschnitzel      4,0 Cts/kWh
* Scheitholz         3,6 - 5,8 Cts/kWh
* Wärmepumpe         4,1 - 6,5 Cts/kWh
* Pellets            6,3 - 7,2 Cts/kWh
* Erdgas             7,3 - 9,7 Cts/kWh
* Fernwärme         10,3 - 10,7 Cts/kWh
* Heizöl             8,9 - 13,1 Cts/kWh
* Strom             13,81)- 18,4 Cts/kWh

1) Nachtstrom

Aufgrund der jeweiligen Verhältnisse vor Ort scheiden meist einige der günstigen Energieträger aus, da beispielsweise dafür ein
entsprechendes Brennstofflager oder die Fläche für einen Grabenkollektor, etc. benötigt wird.

Zudem fallen bei einem Umstieg, abhängig von den Vorgaben durch das Gebäude, recht unterschiedlich hohe Investitionskosten an.
So lohnt sich ein Umstieg auf eine Hackschnitzelheizung meist nur bei größeren Gebäuden mit entsprechend hohem
Heizenergiebedarf.

Ist kein wassergestütztes Wärmeverteilsystem (mit Radiatoren, Wand- oder Fußbodenheizung) vorhanden, wie etwa bei einer
bestehenden Nachtspeicherheizung, so lohnt meist nur ein Umstieg auf effiziente Klimageräte, also auf Luft/Luft-Wärmepumpen.
Diese benötigen zur Bereitstellung der Heizenergie meist weniger als ein Drittel an elektrischer Energie im Vergleich zur
Nachtspeicherheizung.
Der Einsparungseffekt, der mit IR-Panelen bzw. elektrischen Flächenspeichern erzielbare ist, wird in Fachkreisen hingegen als
wesentlich geringer eingeschätzt.

Ist ein wassergestütztes Wärmeverteilsystem vorhanden, so bietet es sich an dieses weiterhin zu nutzen. Werden jedoch aufgrund des niedrigen Isolationsstandards des zu beheizenden Gebäudes bzw. unterdimensionierter Radiatoren hohe Vorlauftemperaturen benötigt, so können die Vorteile der Brennwerttechnik (bei Öl- und Gaskesseln) nicht voll ausgeschöpft werde. Der Einspareffekt bleibt somit weit hinter den von den Herstellern angegebenen Werten zurück.
Der Einsatz einer Luft/Wasser-Wärmepumpe ist unter solchen Bedingungen, etwa bei einer maximalen Vorlauftemperatur über 45°C, ebenfalls nicht wirtschaftlich. Selbst für eine Sole/Wasser-Wärmepumpe ist bei einer maximalen Vorlauftemperatur über 50°C, auch wenn dies technisch durchaus realisierbar ist, die Wirtschaftlichkeitsgrenze bei den aktuellen Preisrelationen erreicht.

Abhilfe kann die gleichzeitige thermische Sanierung des Gebäudes und/oder der Ersatz unterdimensionierter Radiatoren durch
großflächige Plattenheizkörper, Gebläsekonvektoren bzw. Flächenheizungen (Fußboden, Wand) schaffen.
Wem die Kosten dafür jedoch zu hoch sind, kann auch hier durch die Installation von effizienten Klimageräten in den Haupträumen des Gebäudes die Abhängigkeit vom bisherigen, meist teuren Energieträger Öl verringern.


Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass wegen der Abnahme des Grenznutzens bei den einzelnen Sanierungsmaßnahmen
letztlich die Idealkombination aus den drei oben skizzierten Maßnahmenbündeln gefunden werden muss, wobei zusätzlich die
im folgenden skizzierten Interdependenzen zu beachten sind.

Wurde beispielsweise die Heizlast durch einen Vollwärmeschutz der Gebäudehülle auf einen Bruchteil des Ausgangswertes gesenkt, so lohnt sich meist nicht ein zusätzlicher Umstieg auf einen kostengünstigeren Energieträger. Die Erneuerung bzw. Anpassung der bestehenden Heizanlage auf den geringeren Heizbedarf dürfte hierbei die wirtschaftlich sinnvollere Lösung sein.
Andererseits machte es keinen Sinn das Heizsystem komplett zu erneuern, wenn in absehbarer Zeit durch Verbesserung der thermischen Eigenschaften des Gebäudes die Heizlast erheblich reduziert werden soll.

Diese Überlegungen machen deutlich, dass es darum geht, mögliche anzustrebende Endzustände hinsichtlich ihrer Vorteilhaftigkeit im Verhältnis zu den aufzuwendenden Kosten zu bewerten.  Die isolierte Bewertung von Einzelmaßnahmen ist aufgrund der gegenseitigen Abhängigkeiten nicht zielführend.

Eine von der unabhängigen österreichischen Energieagentur in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass thermische Teilsanierungen zusammen mit einem Heizungstausch das günstigste Kosten- Nutzen-Verhältnis aufweisen.
Dies ist ein deutlicher Hinweis in welcher Richtung die jeweils optimalen Sanierungs-Endzustände zu finden sein können.

Es bleibt daher anzuraten, nicht um jeden Preis den bestmöglichen thermischen Standard eines Gebäudes anzustreben, sondern jenen Zustand anzusteuern, der hinsichtlich der aktuellen und absehbarer Energie- und Sanierungskostenrelationen ein Optimum für das Gesamtsystem Wohngebäude darstellt.